IHK Arbeitsmarktradar Bayern 2026
Beschäftigungsentwicklung
Kurzfristprognose: Beschäftigungsentwicklung bis 2029
Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern ist von 2018 bis 2024 von 5,34 Mio. auf 5,72 Mio. gestiegen (+7,1 %). Bis 2029 besteht das Potenzial für einen weiteren Anstieg auf 6,0 Mio. (+5,4 %). Für Gesamtdeutschland ist bis 2029 ein Beschäftigungswachstum in Höhe von 4,9 % möglich.
Dies setzt jedoch voraus, dass die seit 2018 vorherrschenden positiven Trends weiter anhalten und sich die aktuelle Wirtschaftskrise nicht zu einer längerfristigen strukturellen Krise entwickelt. Insbesondere müsste ein ähnlich hohes Niveau der Zuwanderung wie in den letzten Jahren realisiert werden und die Arbeitsmarktintegration von Ausländern und Älteren weiter gesteigert werden. Dies ist jedoch keineswegs ausgemacht. Mit dem EU-Ausland hatte Deutschland 2024 erstmals seit 2008 keinen positiven Wanderungssaldo mehr und auch der Wanderungssaldo mit dem Ausland insgesamt war in den letzten drei Jahren – auch bedingt durch sinkende Geflüchtetenzahlen – zwar positiv aber stark rückläufig.
Gebremst wird der potenzielle Beschäftigungsaufbau durch die steigende Zahl der Renteneintritte in den nächsten Jahren.
Die gesamte Beschäftigungsnachfrage seitens der bayerischen Unternehmen (dunkelblaue Linie) und das Angebot aller verfügbaren Arbeitskräfte (hellblaue Linie) waren 2024 in etwa gleich groß. Mittelfristig dürfte die Gesamtnachfrage das Angebot wieder überschreiten. Die tatsächliche Beschäftigung (grüne Linie) liegt jedoch deutlich unterhalb von Nachfrage und Angebot. Dies deutet auf Matching-Probleme hin: Offenbar haben viele Arbeitslose nicht die nachgefragten Kompetenzen und Qualifikationen oder es bestehen weitere Vermittlungshemmnisse. Die Differenz zwischen Nachfrage und Beschäftigung stellen die offenen Stellen dar.
Abbildung 1: Arbeitsnachfrage, -angebot und Beschäftigte 2018 bis 2029 in Bayern in Mio.
Das Beschäftigungswachstum in Bayern entwickelt sich über die einzelnen Berufe hinweg sehr unterschiedlich. Den größten Zuwachs an Beschäftigung dürften bis 2029 mit einem Plus von 21.000 die Softwareentwickler auf Expertenniveau zu verzeichnen haben. Auch bei Fachkräften und Spezialisten in der Kinderbetreuung (+20.000) sowie in der IT-Anwendungsberatung (+13.000) und den Fachkräften in der öffentlichen Verwaltung (+12.000) ist mit deutlichem Beschäftigungsaufbau zu rechnen.
Der größte Rückgang an Beschäftigung wird bis 2029 für Helfer und Fachkräfte im Gastronomieservice (-11.000), Bankkaufleute auf Fachkraftniveau (-9.000) und Fachkräfte in der kaufmännischen und technischen Betriebswirtschaft (-7.000) erwartet. Die Gründe können dabei unterschiedlich sein: Während bei den Bankkaufleuten wohl der Strukturwandel in der Bankenbranche durchschlägt, dürfte der Rückgang im Gastronomieservice vor allem am Arbeitskräftemangel liegen.
Langfristprognose: Beschäftigungsentwicklung bis 2039
In Abbildung 2 sind drei unterschiedliche Szenarien für die sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsentwicklung bis 2039 in Bayern dargestellt.
Im ersten Szenario (dunkelblaue Linie) wird nur die demografische Entwicklung, also die Austritte aus dem Arbeitsmarkt (insbesondere aufgrund von Renteneintritt) und die Neueintritte betrachtet. Andere Einflussfaktoren wie die Partizipationsquote von Frauen, Älteren und ausländischen Beschäftigten bleiben im ersten Szenario konstant und es wird keine Zuwanderung aus dem Ausland unterstellt. Aufgrund des Ausscheidens der besonders geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben würde im Zeitraum von 2024 bis 2039 die Zahl der SV-Beschäftigten in Bayern um 10,8 % bzw. rund 620.000 Personen abnehmen.
Im zweiten Szenario (hellblaue Linie) wird zusätzlich zur Demografie die Zuwanderung berücksichtigt. Dabei wird bis 2039 eine ähnlich starke Zuwanderung wie im Durchschnitt der letzten sieben Jahre unterstellt. Damit ließe sich der Rückgang der SV-Beschäftigung bis 2039 auf -4,0 % bzw. 230.000 Personen reduzieren.
Abbildung 2: Langfristige Bechäftigtenentwicklung 2019 bis 2039 in Bayern
Das dritte Szenario (grüne Linie) entspricht bis 2029 der Trendfortschreibung, auf welcher der IHK Arbeitsmarktradar aufbaut (Basisszenario): Zusätzlich zu Demografie und Zuwanderung wird hier bis 2029 auch eine weitere Steigerung der Partizipationsquoten von Ausländern, Älteren und Frauen im Durchschnitt der letzten sieben Jahre unterstellt. Ab 2029 werden die Partizipationsquoten dann konstant gehalten und nur noch die demografische Entwicklung und eine Zuwanderung berücksichtigt. In diesem Szenario wäre sogar ein Zuwachs an Beschäftigung um 3,2 % bzw. rund 180.000 SV-Beschäftigte bis 2039 möglich.
Alle Szenarien sind Kopf-Betrachtungen ohne Aussagen zur geleisteten Arbeitszeit.
Wie sich die Beschäftigung in Bayern also künftig entwickelt, hängt im Wesentlichen davon ab, ob die Partizipationsquoten gesteigert werden können und Arbeitskräfte weiterhin zuwandern. Das Modell zeigt, dass es eine große Spannbreite der Entwicklung gibt und die Politik durchaus wirksame Stellschrauben besitzt, um dem demografisch bedingten Schrumpfen der Beschäftigung entgegenzuwirken.