IHK Arbeitsmarktradar Bayern 2026
Szenario: Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität
Durch Sonderkredite stellt der Bund ab 2025 über die nächsten zwölf Jahre 500 Milliarden Euro zur Verfügung, die größtenteils in die Erneuerung der Infrastruktur in Deutschland fließen sollen. Dies wird in Infrastrukturberufen die Nachfrage nach Arbeitskräften zusätzlich erhöhen. Inwieweit diese zusätzliche Nachfrage überhaupt bedient werden kann, wird in der folgenden Analyse der Infrastrukturberufe untersucht.
Da der zusätzliche Nachfrageschub durch das Sondervermögen modellbedingt im IHK Arbeitsmarktradar nicht berücksichtigt werden kann, wird die Entwicklung der relevanten Berufe und Berufsgruppen im Basisszenario aufgezeigt, also ohne die zusätzliche Nachfrage, die durch das Sondervermögen ausgelöst wird. Durch diese Zusatznachfrage dürfte der Arbeitskräfteengpass in den nächsten Jahren tatsächlich noch deutlicher ausfallen.
2024 fehlten in den Infrastrukturberufen rund 19.000 Arbeitskräfte. Diese Zahl dürfte bis 2029 auf 29.000 (+51,8 %) weiter ansteigen. Die offenen Stellen steigen von 32.000 auf 43.000. Die Stellenüberhangsquote – als relatives Maß für die Knappheit an Arbeitskräften – ist in den Infrastrukturberufen sehr hoch. Bereits 2024 lag diese bei 59,3 % (gegenüber 48,3 % in der Gesamtwirtschaft) und wird bis 2029 auf 67,9 % (Gesamtwirtschaft: 56,0 %) weiter ansteigen.
Auf den Tiefbau, der für die Erneuerung von Straßen, Gleisen und Brücken zentral ist, dürfte der größte Anteil des Sondervermögens entfallen. Allerdings war hier die Stellenüberhangsquote (Abbildung 1) mit 64,5 % im Jahr 2024 noch höher als im Durchschnitt der Infrastrukturberufe und wird bis 2029 auf 73,3 % weiter steigen. Es ist davon auszugehen, dass die benötigten Fachkräfte nicht ausreichend zur Verfügung stehen werden, um die Gelder aus dem Sondervermögen mit der gewünschten Geschwindigkeit zu verbauen.
Gleiches gilt für die Planung, die als Flaschenhals vor der Bauausführung steht. In den Planungsberufen ist die Stellenüberhangsquote mit 76,4 % im Jahr 2024 bzw. 76,9 % im Jahr 2029 sogar noch höher.
Lediglich im Hochbau bestehen Kapazitätsreserven und das Sondervermögen sollte hier kurzfristig verbaut werden können, insofern auch zeitnah beauftragt wird. Die Stellenüberhangsquote wird von 50,6 % im Jahr 2024 auf 63 % im Jahr 2029 ansteigen und sich damit nur knapp über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft bewegen.
Abbildung 1: Stellenüberhangsquote in Infrastrukturberufen 2018 bis 2029
In vielen Infrastrukturberufen liegt die Stellenüberhangsquote nahe bei 100 %. Das bedeutet, dass der Bewerbermarkt leergefegt ist und kaum formal passend qualifizierte Arbeitslose mehr verfügbar sind. Tabelle 1 zeigt die Berufe mit den größten Engpässen in Planung, Hochbau, Tiefbau und den sonstigen Infrastrukturberufen (unter diese fallen z. B. Sanitärberufe und verschiedene Berufe des Innenausbaus).
Tabelle 1: Top 5 Stellenüberhangsquote 2029 in den Infrastrukturberufen je Untergruppe